Exkursionen/Projekte

Berlin-Exkursion 2017 in Klasse 10

Exkursionen – Geschichte mal anders

Thema: Das Leben im Zeitalter des Barock (Kl.7)

Ein Tag auf Schloss Wesenstein –Speisen, Flanieren, Menuett tanzen und alles in entsprechender Kleidung

Gruppenbild

 

Was macht der Elefant im Militärhistorischen Museum?

Am 17. März 2014 besuchten die Geschichtskurse der Klassenstufe 11 das Militärhistorische Museum in Dresden. Einiges war dabei anders als erwartet, aber gerade deshalb so interessant.

 

Welche Vorstellungen hat man im Zusammenhang mit dem Besuch eines Militärhistorischen Museums? Waffen, Militärtechnik, Zeugnisse aus vergangenen Kriegen. Eigentlich eher etwas für interessierte männliche Besuche. Anders im Dresdner Museum der Bundeswehr. Hier wird jeder durch die verschiedenen Themenparcours auf eine ganz besondere Art und Weise angesprochen, zum Beispiel durch die Ausstellung „Tiere und Militär“.

 

Tiere auf einem Laufsteg

Größtes Exponat ist eine Lerche – nicht etwa ein Tierpräparat, sondern ein Militärhubschrauber. Der französische Hubschrauber heißt “Alouette” – zu Deutsch “Lerche”. Bereits seit der Antike spielen Tiere beim Militär eine große Rolle: Als Nutztiere, zur Unterstützung im Kampf, als Namensgeber für Waffen und Gerät aber auch für Operationspläne und nicht zuletzt auch als Maskottchen. Selbst in modernen Armeen sind Tiere unersetzlich. Tiere können im militärischen Einsatz Leben retten. Allzuoft sind sie aber auch wehrlose Opfer.

Auf einem Laufsteg präsentiert das Museum Tierpräparate vom Maultier einer Gebirgsjägereinheit der Bundeswehr bis hin zu Schaf, Pferd und Hund. Die Spuren des Krieges sind bei genauer Betrachtung an allen Tieren mit einem Attribut oder einer Verletzung zu erkennen. Das Pferd trägt eine Gasmaske aus dem Ersten Weltkrieg, das Schaf hat nur drei Beine, da es im Falklandkrieg über Minenfelder getrieben worden ist, und um den Leib des Hundes aus dem Zweiten Weltkrieg ist ein Sprengstoffpaket gebunden. Auf einem Bildschirm werden historische Filmaufnahmen aus einem Wehrmachtslabor des Zweiten Weltkrieges gezeigt. Zu sehen: ein Tierversuch mit einer Katze zur Erprobung von Giftgasen. Der Todeskampf des Tieres verweist auf den qualvollen Tod von Menschen.

 

Inspiration für Kultur und Modebranche

Doch welche Rolle spielt das Militär für jene, die damit eigentlich gar nichts am Hut haben? Die modebewusste Frau von heute zum Beispiel? Militär und Gesellschaft

Die Beziehungen zwischen militärischer und ziviler Welt sind vielfältig und werden oft auf den ersten Blick nicht erkannt. Ob Sprache, Mode, Musik oder auch das Spielzeug im Kinderzimmer, die Verzahnung ist oft erstaunlich.

„In Schuss halten“, „auf Tuchfühlung gehen“ oder der „Gassenhauer“ – viele Begriffe des Alltags sind ursprünglich militärische Begriffe, werden aber als solche nicht mehr wahrgenommen. Doch auch die Erfindung der Blindenschrift ist ein sich in der Ausstellung widerspiegelnder Aspekt der Wechselwirkung zwischen Militär und Gesellschaft. Der Besucher kann hier viel Neues und Überraschendes entdecken. Ähnliches gilt für den Einfluss militärischer Entwicklungen auf die Mode. Bis in die heutige Zeit halten sich militärische Stilelemente in der Haute Couture. Ein Ausstellungsstück von Vivien Westwood verdeutlicht Einfluss und Inspirationsquelle. Trenchcoat, T-Shirt und Fliegerblouson, aber auch Safari-Mode sind modische Klassiker, deren militärischer Ursprung heute nicht mehr erkannt wird. Die massenhafte Fertigung von Mode sowie die Standardisierung von Größen (S, M, L, XL) gehen auf Verfahren der Uniformfertigung zurück.

 

Wissenschaft und Technik im Dienste des Militärs

Natürlich kommen  auch Technik-Interessierte nicht zu kurz. Militär und Gesellschaft

Der Zusammenhang zwischen militärischer und ziviler Nutzung technischer Entwicklungen ist häufig nicht bekannt. Im Erdgeschoss des Keils wird diese Beziehung, die Vielfalt ihrer Entfaltungsmöglichkeiten und die enge Verzahnung auf fast allen Wissensgebieten verdeutlicht. Die Eieruhr, die auch in jedem Zeitzünder tickt, das Fahrrad, dessen militärische Nutzung bereits im ersten Patent mit berücksichtigt wurde, über U-Boote, repräsentiert durch das älteste erhaltene Tauchboot der Welt bis hin zur zivil wie auch militärisch genutzter Raketentechnologie – die Schnittmengen scheinen unendlich.

Medizintechnik

Auch im Bereich der Medizin gibt es vielfältige Verbindungen zwischen militärischen und zivilen Entwicklungen. Beispielhaft ist die Erforschung von Aufputsch- und Rauschmitteln der deutschen Streitkräfte während des Zweiten Weltkrieges. Im April 1940 wurden 35 Millionen Tabletten der verharmlosend als „Weckmittel“ bezeichneten Droge Pervitin von der Wehrmacht bestellt. Pervitin ähnelt dem Amphetamin Ecstasy. Ob pur, in Traubenzucker oder in Schokolade eingemischt, Pervitin unterdrückte Müdigkeit und Hunger und euphorisierte. Bomberpiloten, die bis zu 17 Stunden in der Luft sein mussten, U-Boot-Besatzungen und Kindersoldaten, die nach der Schule die Nacht über an den Flak-Geschützen standen – sie alle schluckten die „Wunderdroge“. Um die richtige Dosierung zu finden: wurden grausame Versuche an KZ-Häftlingen durchgeführt. Das Mittel wurde bei der Bundeswehr bis in die 70er Jahre, in der Nationalen Volksarmee der DDR bis 1989 für den Ernstfall eingelagert.

Das ehemaligen Arsenal, was auf eine hundertjährige Ausstellungstradition zurückblickt,  bietet noch viel mehr interessante Einblicke. Aber man sollte dafür auch genügend Zeit mitbringen. Ein Besuch lohnt sich auf alle Fälle.

 

Geschichte hautnah erleben. Das Zeitzeugen-Projekt hat es möglich gemacht.

Den Artikel zum Projekt findest du hier: Zeitzeugen-Projekt